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Am 16. März 1826 musste auch Fernitz die Folgen mangelnder Brandvorsorge tragen; ein defekter Ofen im Schulhaus führte zur Katastrophe.
Mit den eigenen dürftigen Gerätschaften konnte das Feuer nicht bekämpft werden,
und auch die aus dem Grazer Landeszeughaus zur Hilfe gerufene städtische Feuerwache vermochte die beinahe vollständige Zerstörung des Dorfes
nicht zu verhindern.
30 Wohnhäuser und 34 Wirtschaftsgebäude brannten nieder.
Nach der Konstituierung der freien Ortsgemeinden 1849, wobei den Gemeinden in der Folge auch die Bau- und Feuerpolizei übertragen wurde,
und der Bezirkshauptmannschaften (1850) versuchte Letztere (BH Graz), sich einen Überblick über die Zustände des Feuerlöschwesens in der Gemeinde Fernitz zu verschaffen.
Am 22. September 1852 sandte der Fernitzer Bürgermeister und Fleischer Matthäus Karner ein
„Verzeichnis der in der Gemeinde Fernitz befindlichen Feuerlöschwerkzeuge,
welche von der vormaligen Bezirksobrigkeit Liebenau aus der Bezirkskasse angeschafft wurden“ an die BH Graz:
1. ist eine auf Räder gesetzte Feuerspritze ohne Wasserschläuche und 1 Handspritze vorfindig.
2. ein Wasserwagen auf Rädern mit einem 10 Eimer (565,9 Liter) hältigem Fasse mit Pippe.
3. sind eine Feuerleiter und 3 Feuerhacken vorhanden.
4. sind auch 45 Wasseremper samt dem dazugehörigen Wagen vorhanden.
Sämtliche Feuerlöschwerkzeuge befinden sich in der in Fernitz sich befindenden vor der vormaligen Bezirksobrigkeit Liebenau
aus der Bezirkskasse erbauten Feuerlöschrequisitenkammer.
Und nur die obengenannte Feuerleiter und die 3 Feuerhacken sind der Gemeinde Fernitz als öffentliches Eigentum angehörig.
Schließlich macht der ergebenstgefertigte Gemeindevorstand die Bemerkung,
dass bei der in Fernitz sich befindlichen Feuerspritze ein kürzerer und ein längerer Wasserschlauch notwendig erscheint,
zu deren Anschaffung die benachbarten Gemeinden Hausmannstätten, Gössendorf, Fernitz, Mellach und Gnaning aus ihren Gemeindekassen beizutragen sich verbindlich machen.
Endlich scheint es auch wünschenswert, dass die in Liebenau sich befindende,
ebenfalls auf Bezirkskosten angeschaffte Feuerspritze nach Hausmannstätten übersetzt werden möchte,
weil sie dort auch die benachbarten Dörfer Wagersbach, Breitenhilm, Premstätten usw. zur Dämpfung von Feuersbrünsten dienlich sein kann,
in dem diese Gemeinden wegen weiterer Entfernung von der Hauptstadt Graz nicht so leicht,
als die Umgebung von Liebenau eine Hilfe erhalten kann.
Alois Hausner, Gemeindevorsteher von Hausmannstätten, wies diesbezüglich auch darauf hin,
dass „diese in Fernitz stationierten Geräte der Gemeinde Hausmannstätten wenig nützen, da von dem tief und abseitig gelegenen Fernitz aus
nur ein kleiner Teil der Gemeinde Hausmannstätten überblickt und ein in Hausmannstätten ausgebrochener Brand von Fernitz aus viel zu spät
wahrgenommen werden könne“.
Die Einführung eines neuen Vereinsgesetzes im Jahr 1867 bot den Gemeindebewohnern die Möglichkeit der Gründung freiwilliger Feuerwehren auf Vereinsbasis.
Nach Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Hausmannstätten im Jahr 1876 unternahmen auch die Fernitzer Bestrebungen zur Gründung einer Feuerwehr
und bildeten unter Führung des Müllermeisters Ferdinand Heinrich ein „Feuerwehr-Comite“,
dass am 31.Mai 1881 ein diesbezügliches Ansuchen an die k.k. Statthalterei in Graz richtete:
„Hohe k.k.Statthalterei! Es ist der Wunsch der Gemeinde Fernitz, dass allhie eine Freiwillige Feuerwehr organisiert werde.
Nachdem schon eine genügende Anzahl Mitglieder sich hiezu gemeldet haben, so werden die Statuten, Eurer hohen Statthalterei,
mit der Bitte um Genehmigung derselben in (Beilage) vorgelegt“.
Zweck des Vereines war „ein geordnetes Zusammenwirken bei Feuergefahr zur Bekämpfung von Bränden,
um Leben und Eigentum der Bewohner des Ortes und der Umgebung zu schützen.
Bereits am 06. Juni 1881 erfolgte die Genehmigung des Vereines durch die k.k.Statthalterei.
Knapp vier Jahre nach ihrer Gründung verfügte die Freiwillige Feuerwehr Fernitz über ein beachtliches Quantum an Ausrüstungsgegenständen,
die den Anforderungen der oben zitierten Feuerlöschordnung von 1857 voll entsprachen:
A – Geräte:
1 Stück vierrädrige Landfahrspritze alten Systems,
mit zwei Hanfschläuchen und einem messingenem Strahlrohr;
1 Stück Wasserwagen samt Fass, Gießschaff und zwei Schöpfer,
1 Stück vierrädrige Fahrsaugspritze neuen Systems mit viel Saugschläuche,
sechs Druckschläuche aus Hanf samt einem Strahlrohr
B – Ausrüstungsgegenstände:
12 Helme für Steiger;
12 Schutzleder;
12 Steigergurte;
12 Spitzbeile samt Taschen;
6 Mundschwämme samt Körbe;
6 Schrillpfeifen samt rote Schnüre;
6 Steigleinen;
12 Notnägeltaschen;
12 Notnägel;
22 Helme für Spritzenmannschaft;
22 Mannschaftsgurten;
44 Zwilchblusen;
43 Zwilchhosen;
4 Signalhörner;
2 Petroleumfackeln;
1 Steigerlaterne;
2 Steigerleitern;
2 gewöhnliche Mauerleitern;
2 Krafthauen;
2 Krampen;
2 Feuerhacken;
1 Brandhacke;
1 Feuerwehraxt;
1 Hetsch;
1 französischer Schlüssel;
1 Beiß Zange;
2 Wurzenbürsten;
1 Schmierbock;
16 Riemen zum Befestigen der Geräte an der Spritze;
36 Meter Hanfschläuche samt steir. Normalgewinde;
38 Meter Hanfleinen;
1 Steigerturm;
1 Requisiten- zugleich Mannschaftswagen;
6 Aufzugsrollen zum trocknen der Schläuche.
C – Kanzlei:
20 Statuten;
30 Dienstordnungen;
2 Übungsvorschriften;
1 Kautschuk Stampiglie;
1 Feuerwehrtafel
Wert des gesamten dem Feuerwehr-Verein gehörigen Inventars samt Abschreibung der Abnützung: 500 fl.
Das Interesse der Fernitzer und auch Gnaninger (die 1887 ihre eigene Wehr gründen sollten) an ihrer Feuerwehr war jedenfalls beachtlich,
wie es die Mitgliederliste des Gründungsjahres zeigt:
Ferdinand Heinrich (Hauptmann), Jakob Hodick (Stellvertreter), Johann Heinrich (Schrift- und Geldwart), Anton Trummer (Zeugwart),
Georg Kampusch (Zeugwart-Stellvertreter), Franz Frühwirth (Zeugwart von Gnaning), Johann Matzer (Steiger-Zugführer),
Anton Nusser (Steiger-Zugführer-Stellvertreter), Anton Truchsess (Spritzen-Zugführer), Franz Küberl (Spritzen-Zugführer-Stellvertreter),
Franz Birnstingl (Ordnungs-Zugsführer), Josef Wagner (Ordnungs-Zugführer-Stellvertreter), Johann Muhry (Zugsführer von Gnaning),
Ignaz Spath (Zugführer-Stellvertreter von Gnaning).
An ausübenden Mitgliedern wurden 1885 verzeichnet:
Franz Berghold, Franz Birnstingl, Franz Frühwirt, Michael Großschädl, Ferdinand Heinrich, Johann Heinrich, Anton Herrmann, Jakob Hodik,
Johann Holzmann, Georg Kampusch, Peter Kolb, Johann König, Moritz Kraupp, Mathias Krenn, Franz Küberl, Johann Leber, Franz Leber,
Johann Lechmann, Franz Lechmann, Johann Lenhardt, Johann Lex, Johann Matzer, Mathias Meier, Johann Meixner, Johann Muhry, Karl Muhry,
Andreas Niegl, Johann Ninaus, Anton Nusser, Franz Purkarthofer, Alois Roßmann, Georg Rösch, Ignaz Spath, Anton Tilzer, Anton Truchsess,
Anton Trummer, Jakob Veit, Mathias Veit, Josef Wagner.
Dazu kamen noch 32 unterstützende Mitglieder.
Von den Einsatzberichten sei der früheste erhaltene, aus dem Jahr 1885, hier wiedergegeben:
„Am 11.Mai 1885 um halb zwölf nachts Brand des Wirtschaftsgebäudes der Frau Purkarthofer Barbara in Fernitz und am 26. Juni um halb ein Uhr nachts
Brand der Winzerei des Herrn Franz Lex in Gnaning.“
Zum Brand am 11. Mai erschienen schnell einige Männer unserer Feuerwehr obwohl ein fürchterlicher Sturm und Regen kaum die Richtung des Feuers erkennen ließ,
so gelang es doch mit Hilfe der Hausleute welche schon in Tätigkeit waren dem Feuer Einhalt zu tun,
dass selbe in kurzer Zeit auf ein kaum glaubwürdig kleines Brandobjekt zu beschränken, welches nur der raschen Hilfe der Feuerwehr,
sowie mehrerer Ortsbewohner zu verdanken ist, denn das Unglück hätte leicht große Dimensionen annehmen können.
Nach 2 stündiger Arbeit war jede Gefahr beseitigt und unsere Feuerwehr rückte unter Zurücklassung von 6 Mann als Feuerwache bis 6 Uhr Früh wieder ins Depot ein.
Zum Brand am 26. Juni langte die Feuerwehr um 1 Uhr am Brandplatz an und fand das Brandobjekt in hellen Flammen,
musste daher gleich auf die in höchster Gefahr stehenden Nachbargebäude ihr Augenmerk richten,
welches nach mehrstündiger Arbeit glücklich gelang die Gebäude zu schützen und das Brandobjekt niederzureißen und sodann jeder weiteren Gefahr enthoben,
konnte unsere Feuerwehr um viertel Vier Uhr Früh wieder ins Depot einrücken.“
Einen ersten Höhepunkt in der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr bot der Bezirksfeuerwehrtag 1894, der in Fernitz abgehalten wurde.
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